„Topkarten“ - so hieß der Kartenbereich der alten Wetterzentrale, aus dem sich
um die Jahrtausendwende halb Wetter-Europa bediente: aktuelle Modellkarten,
Bodenanalysen und vor allem das beliebte Reanalyse-Kartenarchiv
(die alte Seite topkarten/fsreaeur.html). Wer wissen wollte, wie
die Wetterlage an einem beliebigen historischen Datum aussah - etwa am Tag des
eigenen Geburtstags oder während des Orkans von 1962 - bekam dort mit wenigen
Klicks eine Wetterkarte. Alte Foren-Links auf dieses Archiv landen heute auf
dieser Seite. Hier steht, wo es solche Karten heute gibt und wie man sie liest.
Was ist eine Reanalyse?
Eine Reanalyse ist die nachträgliche Wetteranalyse der Vergangenheit: Ein modernes Wettermodell wird mit allen verfügbaren historischen Beobachtungen (Stationsmeldungen, Schiffsdaten, später Radiosonden und Satelliten) gefüttert und rechnet daraus einen physikalisch konsistenten Wetterzustand für jeden Tag - teilweise zurück bis ins 19. Jahrhundert. Das Ergebnis sind Karten, die aussehen wie moderne Wetterkarten, aber vergangene Wetterlagen zeigen: Luftdruck, Geopotential, Temperatur und mehr.
Die wichtigsten Datensätze:
- NCEP/NCAR-Reanalyse (USA) - der Klassiker, ab 1948; auf ihr basierte das alte Kartenarchiv
- ERA5 (ECMWF/Copernicus) - der moderne Standard, ab 1940, hohe Auflösung
- 20th Century Reanalysis (20CR) (NOAA) - zurück bis 1836, ideal für historische Stürme
Wo gibt es historische Wetterkarten heute?
| Quelle | Zeitraum | Hinweise |
|---|---|---|
| wetterzentrale.de → Kartenarchiv | ab 1836 | Direkter Nachfolger des alten Topkarten-Archivs: Reanalyse-Karten für Europa per Datumsauswahl |
| wetter3.de → Archiv | ab 1948 | NCEP-Reanalyse und GFS-Archivkarten, viele Parameter |
| meteociel.fr → Archives | ab 1850 (je nach Datensatz) | Französisch, sehr umfangreiches Archiv inkl. Stationsdaten |
| Copernicus Climate Data Store | ab 1940 (ERA5) | Rohdaten zum Selbstauswerten, kostenlos mit Registrierung |
| NOAA PSL Composites | ab 1948 | Eigene Reanalyse-Karten zusammenstellen (englisch) |
Reanalyse-Karten richtig lesen
Die klassische Archivkarte zeigt zwei Dinge gleichzeitig: den Luftdruck auf Meereshöhe (weiße Isobaren) und das Geopotential 500 hPa (Farbflächen) - also die Höhe, in der der Luftdruck auf 500 hPa gefallen ist, meist rund 5,5 km. Die 500-hPa-Fläche zeigt die Wellen der Höhenströmung: Tröge (kalte Einbuchtungen) bringen wechselhaftes, kühles Wetter, Rücken (warme Aufwölbungen) ruhiges Hochdruckwetter. Aus der Kombination von Boden- und Höhenkarte lässt sich praktisch jede historische Wetterlage verstehen - vom Orkantief Kyrill bis zur Hitzewelle im Juli 2006.
Hinweis zu alten Karten-Links
In vielen Foren sind noch direkte Bild-Links auf alte Modellkarten dieser
Domain eingebettet (Dateinamen wie Rtavn242.png - „AVN“ war der
frühere Name des amerikanischen GFS-Modells, die Ziffern kodierten
Vorhersagestunde und Kartenpanel). Diese automatisch erzeugten Karten wurden
nur wenige Tage vorgehalten und existieren seit der Einstellung des alten
Kartendienstes nicht mehr. Anstelle der Originale wird heute ein
Platzhalterbild ausgeliefert, das hierher verweist. Wer die damalige
Wetterlage rekonstruieren möchte, findet über die Archiv-Quellen oben für
jedes Datum die passende Reanalyse-Karte.
Siehe auch: Wettermodelle & Laufzeiten - welche Modelle es gibt und wann die Karten erscheinen.