Topkarten & Kartenarchiv: Historische Wetterkarten finden

Wetterlagen von 1836 bis heute rekonstruieren - kostenlos und in Kartenform.

Zeitraum
ab 1836
Rubrik
Grundlagen

„Topkarten“ - so hieß der Kartenbereich der alten Wetterzentrale, aus dem sich um die Jahrtausendwende halb Wetter-Europa bediente: aktuelle Modellkarten, Bodenanalysen und vor allem das beliebte Reanalyse-Kartenarchiv (die alte Seite topkarten/fsreaeur.html). Wer wissen wollte, wie die Wetterlage an einem beliebigen historischen Datum aussah - etwa am Tag des eigenen Geburtstags oder während des Orkans von 1962 - bekam dort mit wenigen Klicks eine Wetterkarte. Alte Foren-Links auf dieses Archiv landen heute auf dieser Seite. Hier steht, wo es solche Karten heute gibt und wie man sie liest.

Was ist eine Reanalyse?

Eine Reanalyse ist die nachträgliche Wetteranalyse der Vergangenheit: Ein modernes Wettermodell wird mit allen verfügbaren historischen Beobachtungen (Stationsmeldungen, Schiffsdaten, später Radiosonden und Satelliten) gefüttert und rechnet daraus einen physikalisch konsistenten Wetterzustand für jeden Tag - teilweise zurück bis ins 19. Jahrhundert. Das Ergebnis sind Karten, die aussehen wie moderne Wetterkarten, aber vergangene Wetterlagen zeigen: Luftdruck, Geopotential, Temperatur und mehr.

Die wichtigsten Datensätze:

  • NCEP/NCAR-Reanalyse (USA) - der Klassiker, ab 1948; auf ihr basierte das alte Kartenarchiv
  • ERA5 (ECMWF/Copernicus) - der moderne Standard, ab 1940, hohe Auflösung
  • 20th Century Reanalysis (20CR) (NOAA) - zurück bis 1836, ideal für historische Stürme

Wo gibt es historische Wetterkarten heute?

Quelle Zeitraum Hinweise
wetterzentrale.de → Kartenarchiv ab 1836 Direkter Nachfolger des alten Topkarten-Archivs: Reanalyse-Karten für Europa per Datumsauswahl
wetter3.de → Archiv ab 1948 NCEP-Reanalyse und GFS-Archivkarten, viele Parameter
meteociel.fr → Archives ab 1850 (je nach Datensatz) Französisch, sehr umfangreiches Archiv inkl. Stationsdaten
Copernicus Climate Data Store ab 1940 (ERA5) Rohdaten zum Selbstauswerten, kostenlos mit Registrierung
NOAA PSL Composites ab 1948 Eigene Reanalyse-Karten zusammenstellen (englisch)

Reanalyse-Karten richtig lesen

Die klassische Archivkarte zeigt zwei Dinge gleichzeitig: den Luftdruck auf Meereshöhe (weiße Isobaren) und das Geopotential 500 hPa (Farbflächen) - also die Höhe, in der der Luftdruck auf 500 hPa gefallen ist, meist rund 5,5 km. Die 500-hPa-Fläche zeigt die Wellen der Höhenströmung: Tröge (kalte Einbuchtungen) bringen wechselhaftes, kühles Wetter, Rücken (warme Aufwölbungen) ruhiges Hochdruckwetter. Aus der Kombination von Boden- und Höhenkarte lässt sich praktisch jede historische Wetterlage verstehen - vom Orkantief Kyrill bis zur Hitzewelle im Juli 2006.

Hinweis zu alten Karten-Links

In vielen Foren sind noch direkte Bild-Links auf alte Modellkarten dieser Domain eingebettet (Dateinamen wie Rtavn242.png - „AVN“ war der frühere Name des amerikanischen GFS-Modells, die Ziffern kodierten Vorhersagestunde und Kartenpanel). Diese automatisch erzeugten Karten wurden nur wenige Tage vorgehalten und existieren seit der Einstellung des alten Kartendienstes nicht mehr. Anstelle der Originale wird heute ein Platzhalterbild ausgeliefert, das hierher verweist. Wer die damalige Wetterlage rekonstruieren möchte, findet über die Archiv-Quellen oben für jedes Datum die passende Reanalyse-Karte.

Siehe auch: Wettermodelle & Laufzeiten - welche Modelle es gibt und wann die Karten erscheinen.